Flügel des Phönix

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Stammbaum des Phönix

E-Mail Drucken

Der Phönix, dessen Name sich altgriechisch von “phoinix” und altägyptisch “benu” = leuchtend (der Sonnenvogel) ableiten lässt,
ist ein mythologisches Wesen, das auch in China unter dem Namen “Feng Huang” und in der persischen Sagenwelt als “Simurgh”
sein Pendant findet. Der Feuervogel selbst ist ein Urmythos der Völker.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Benu
Kurz nach der Erschaffung der Welt, als sich das Land vom Wasser trennte,
erschien der Sonnengott Ra in der Gestalt des Wundervogels Benu als erstes Lebewesen auf dem Urhügel unserer Erde.
Verehrung fand er durch den Sonnenkult im Tempel der Stadt Heliopolis.

Seine Wohnstätte errichtet er auf heiligen Weidenbäumen. Alle 500 Jahre fliegt er über die öslichen Gebiete,
sammelt dort reinigende, duftende Kräuter um sich auf dem Altar im Tempel der Sonnenstadt sein Nest zu bauen.
In diesem verbrennt er bei Einbruch der Morgenröte um hernach verjüngt aus der erkalteten Asche empor zu steigen.

In Abbildungen zeigt er sich als gold-roter oder 4farbiger Reiher in Menschengröße
mit langem Gefieder am Hinterkopf. Er ist ein Sinnbild für den sich stets erneuernden Sonnengott.
Überraschender Weise belegen Ausgrabungsfunde in Oman und Kuweit die Existenz eines Riesenreihers mit Namen “Ardea bennuides”
zur Zeit der Pharaos.

Im antiken Griechenland wurde er als Phönix überliefert.
Sein sanftes Wesen paart sich mit mystischen Kräften, denn sein Gesang stärkt die Herzen derer, die reinen Wesens sind und
sein Federkleid besitzen mächtige Zauberkraft. Kostbare Heilmagie liegt in den Vogeltränen verborgen. Sein Blick entlarvt die Lüge
und sein Feuer schenkt Veränderung.

Von Statur eher klein wie eine Bachstelze übermittelt er uns die Weisheit, dass die bedeutesten Dinge in unserem Innern liegen.
Seltener wird er als ein Mischwesen aus Fasan und Adler mit einem Fischschwanz und Schlangenhals dargestellt.
Alle 500 oder 1461 Jahre, je nach Mythos, entsteigt er gereinigt und verjüngt nach drei Tagen aus der Asche.
Dies wurde für die Christen im 2.Jh.n.Chr. ein Sinnbild für die Hingabe Christus und seine Auferstehung am dritten Tage nach der Kreuzigung.
In der Alchemie ist er ein Synonym für den Stein der Weisen, der unedle Metalle in Gold verwandeln kann.
Dieser besitzt die Kraft der Verjüngung, der Heilung und enthält die Bausteine des Lebens.

Der Phönix ist die Verbindung zwischen Augenblick und Ewigkeit und offenbart mir, dass ich für all meine Handlungen,
ob geistiger oder physischer Natur die Verantwortung zu tragen habe. Diese Einblicke sind nicht erdrückend, sondern befreiend.
Ständige Veränderung als Zeichen des Lebens und Erneuerung als göttliches Geschenk der unsterblichen Seele.

Der Feng Huang
Dieser nahe Verwandte bewacht den südlichen Teil des kaiserlichen Sommerpalastes
in Peking und ist in China ein bedeutungsvolles Glückssymbol und ein Zeichen der Barmherzigkeit.
Sein zugeordnetes Element, das Feuer spiegelt, sich in seinem Erscheinungsbild wieder:
Überschwänglich leuchtet sein Gefieder in der chinesische Glücksfarbe rot.
Er durchläuft jedoch nicht den Zyclus von Verbrennung - Tod - Wiedergeburt.

Die Statur erinnert an einen großen Fasanenvogel mit stelzenartigen Beinen.
Auffallend ist sein kurzer, leicht gekrümmter, spitzer Schnabel, seine mandelförmigen Augen und der langgestreckte Hals.
Alter: magische 1000 Jahre
Vorlieben: Reinstes Bergquellenwasser, Wutang-Baum (Sterculla plantiflora)
Fortpflanzung: Ähnlich dem normalen Vogel.
Er ist neben dem Drachen, dem Einhorn und der Schildkröte eines der chinesischen Wundertiere.
Seine Flügel verkörpern den Wind, sein pfauenartiger Schwanz die Pflanzenwelt und seine Füße die Erde.

Das Zeichen “féng” beinhaltet das Glück, die Weiblichkeit, Yang und symbolisiert die chinesische Kaiserin.

 

Simurgh, der Schutzvogel
Nach persischer Sage ist er der König über alle Vögel und wird durch einen weiblichen Falken oder durch eine
Fabelwesenmischung aus Löwe, Hund und Greifvogel dargestellt.

Fariduddin Attar, ein persicher Dichter des 12.Jahrhunderts übermittelt uns in dem Epos
“Mantiq ut-tair” = “Konzert der Vögel” die Geschichte dieses Wundervogel.

Die Kunde von der Schönheit, Glorie und Weisheit des Simurgh verbreitete sich über das ganze Land
und zog die Vögel in ihren Bann.Tausende begaben sich auf die lange Suche nach diesem fliegenden Wesen,
von dem sie sich Erleuchtung versprachen. Doch die Strapazen und die Gefahren forderten ihre Opfer und schließlich
gelangte nur ein kleiner Teil an das Ziel und erstaunt erblickten sie sich selbst!

Si murgh = pers. Übersetzung für 30 Vögel.

Die gemeinschaftliche Suche nach innerer Vollkommenheit entzündet ein wunderbares Licht,
das die individuellen Schönheit des anderen auf dem eigenen Antlitz widerspiegelt.


(c) Heidemarie A. Sattler

 

 

 

Share